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Humboldt-Universität zu Berlin - Familienbüro

Interview zum Studium in Schweden

Lea Müller hat mit ihrer Familie vier Monate im schwedischen Linköping gelebt. Um ihr Skandinavistik-Studium mit einem Erasmus-Semester abzurunden, verbrachte sie ihr Wintersemester 2016/2017 im Norden. Mit dabei waren ihr Mann und ihr damals zehn Monate alter Sohn.


Foto: Lea Müller

Du warst über das Erasmus-Programm weg. Wie ist es dazu gekommen?

Lea Müller: Ich war bei der Erasmus-Info-Veranstaltung, da war mein Sohn drei Wochen alt und ich hatte ihn mit dabei. Dort habe ich erstmal verstanden, dass ich auch mit Kind Erasmus machen kann. Nach Schweden zu ziehen, war schon immer ein Wunsch von mir. Ich stand ja auch kurz vor dem Abschluss und das war dann die Gelegenheit. Anfangs war ich unentschlossen, denn ich zweifelte, ob das klappen würde oder doch zu viel wäre, aber mein Mann machte mir Mut und meinte: „Wir schaffen das schon! Jetzt oder nie.“ Und dann haben wir es eben doch gemacht.

 

Wie hast du dein Erasmus-Jahr vorbereitet?

Wir waren viel damit beschäftigt, eine Wohnung zu finden. Zuerst haben wir bei der Universität in Linköping angerufen, doch die konnten uns nicht weiterhelfen, da keines der Studentenwohnheime für Kinder geeignet war. Also blieb uns nur der private Wohnungsmarkt übrig, denn bei den kommunalen Wohnungen waren die Warteschlangen zu lang. Das große Problem war die Bezahlbarkeit, denn die inserierten Wohnungen waren für uns nicht bezahlbar. Also versuchten wir ein Pärchen zu finden, das gerne in derselben Zeit ihre Wohnung mit unserer in Berlin tauschen mochte. Nach einigem Suchen hat sich dann ein Paar gemeldet, und wir haben per Skype alles miteinander abgesprochen. Als das dann geklärt war, haben wir einfach unsere Sachen gepackt und sind hochgefahren.

 

Wie war dein Uni-Start?

Es war alles neu, deshalb sehr aufregend und schön. In den ersten Tagen war ich mit meinem Sohn an der Universität und habe mich im International Office vorgestellt. Die waren ganz entzückt von uns und unglaublich freundlich. Aber gleichzeitig überrascht und auch ein bisschen überfordert. Sie hatten diese Situationen nämlich noch nicht gehabt, dass jemand mit Kind angereist war. Ich hatte das Gefühl, dass die Linköpinger Uni nicht für Familien ausgerichtet war. Es gab nämlich kein Familienbüro, keine Kennenlernangebote für Eltern, keine Räumlichkeiten und keine Wickeltische. Das hatte ich so nicht erwartet, denn das hat überhaupt nicht in mein Bild von Skandinavien als kinderfreundliche Gesellschaft gepasst. Dafür aber hatte die Stadt ein unglaubliches Angebot.

 

Und zwar?

In Linköping waren wir sehr oft auf den Spielplätzen. Die sind echt klasse, total durchdacht und wirklich beliebt. Zu jeder Zeit waren Kinder mit ihren Eltern dort am Spielen. Außerdem hat die Stadt Familienzentren, wo ich mich dann der Krabbelgruppe und den Spieletreffen angeschlossen habe. Das war besonders entspannend; nicht nur, weil da andere Eltern waren, sondern die Atmosphäre war total relaxt und die Mitarbeiterinnen haben sich wirklich viel Zeit für meinen Sohn und mich genommen. Da hatte ich das Gefühl, gut aufgehoben zu sein. Einmal, zu einer Zeit, als es an der Uni besonders anstrengend war, hat mich eine Betreuerin dort angesprochen und hat mich gefragt, wie es mir gehe, man könne mir nämlich ansehen, dass ich zurzeit vieles stemmen müsse. Da war ich erst mal baff, dass dort jemand ist, der mich nicht irgendwie verurteilt, dass ich das nicht gebacken bekomme, sondern mich auf Augenhöhe fragt, wie ich mich fühle.

 

Es gab also auch schwierigere Zeiten?

Unser Sohn ist nicht in den Kindergarten gegangen. Wir meinten, es lohne sich nicht, für vier Monate einen Kindergarten zu suchen und  ihn dort einzugewöhnen. Im Laufe des Semesters wurde uns aber klar, dass uns zusätzliche Unterstützung gut täte. Da war es aber schon zu spät, um sich noch nach etwas umzuschauen. Mein Mann hat nämlich ebenfalls gearbeitet. Es war schwierig, da die Waage zu halten zwischen Arbeit, Familie und Zeit für sich.

Ich glaube auch, dass ich das anders machen würde beim nächsten Mal. Jetzt denke ich, dass es uns dreien besser getan hätte, wären wir für ein Jahr weg gewesen und hätten uns eine Betreuung für unseren Sohn gesucht.

 

Was nimmst du mit aus deiner Zeit?

Ich bin wirklich froh, dass ich in Schweden studiert habe. Es hat mich schon immer interessiert, wie das so ist, in Schweden zu leben. Das war immer mein Traum, und ich bin froh, dass es nicht beim Traum geblieben ist. Das war so aufregend, denn ich habe gemerkt, dass etwas nicht bei einem Traum bleiben muss, sondern ich mir meine Wünsche erfüllen kann, auch wenn es mal aufwendiger wird. Und jetzt zurück in Deutschland kann ich mir sagen, dass ich mir meinen Traum erfüllt habe und weiß, wie es ist, in Schweden zu leben und zu studieren.

 

Das Interview führte Filip Mitrovski, studentischer Mitarbeiter des Familienbüros, im Februar 2017.